Nautilus

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10 Okt 2014 in Galerie

Autor : Anja C Lloyd

Ladenlokal Nautilus leer

„EINE STADT OHNE BUCHHANDLUNG SCHWEBT IN DER GEFAHR ZU VERÖDEN“ (SZ vom 4./5. Oktober 2014, Wochenende S.1)

Im Herbst 2013 wurde die Nautilus Buchhandlung in Altona sehr kurzfristig geschlossen; aus finanziellen Gründen, hieß es. Seitdem stand das Ladenlokal, das offenbar zurzeit renoviert wird, leer. Wer jemals dort Bücher gekauft hat, weiß, dass das Inhaberehepaar etwas Besonderes aus der Buchhandlung gemacht hatte. Mal abgesehen von der doch ungewöhnlichen Buchauswahl gab es auch einen regen Buchaustausch von nicht mehr käuflich zu erwerbenden Exemplaren aus dem Privatbestand und auch lebhafte Diskussionen über Buchinhalte.

Es gibt auch andere Buchhandlungen in Altona. Zum Beispiel die von Max, wo ich seitdem meine Bücher bestelle. Er kennt meinen Vornamen, ich stehe in keiner Kundenkartei. Am nächsten Tag sind meine Bestellungen da. Sie stehen dann etwas fremdkörperartig zwischen den Kinderbüchern. Max und ich plaudern meistens noch ein wenig über Datenschutz, die allgemeine Wetterlage und über diverse weltpolitische Veränderungen. Und auch über die Veränderungen in Altona. Bei diesem einen großen Internetkaufhaus seine Bücher zu bestellen ist weitaus weniger unterhaltsam. In der Regel habe ich mein Buch auch nicht schon am nächsten Tag. Und zusätzliche Informationen bekomme ich auch nicht mitgeliefert. Gut, gebrauchte Bücher kann ich bei Max nicht bestellen, aber dafür gehe ich in regelmäßigen Abständen in einen um die Ecke gelegenen Trödelladen. Merkwürdigerweise hat die Inhaberin eine unglaubliche Menge an Büchern vorrätig, von denen ich noch gar nicht wusste, dass ich sie lesen wollte. Damit tut sich dieses Internetkaufhaus auch eher schwer. Und in dem Trödelladen muss ich auch nicht jedes Mal drei Euro Versandpauschale bezahlen. ACL